Hannover 96

Saison 1999/2000, 30.Spieltag


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Hannover 96 - 1. FC Köln 3:5 (2:1)

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96: Sievers - Baschetti - Reinhardt, Stefulj - Gärtner, Kreuz, Bounoua, Blank (78. Cherundolo), Lala - Kobylanski (70. Morinas), Stendel (70. Keita) / Trainer: Ehrmantraut

Tore: 1:0 Kobylanski (2.), 2:0 Stendel (7.), 2:1 Lottner (41.), 3:1 Lala (63.), 3:2 Cullmann (65.), 3:3 Cichon (67.), 3:4 Voigt (81.), 3:5 Kurth (84.) - Schiedsrichter: Hufgard (Mömbris)- Zuschauer: 36 092 - Gelbe Karten: Stefulj


Blitztore - dann schlägt es bei 96 ein
2:0 und 3:1 geführt, aber verloren: Hat sich das Thema Aufstieg damit erledigt?

Die 96-Siegesserie ist gerissen. Nach fünf Erfolgen gab es gestern vor 36.092 Zuschauern im Niedersachsen-Stadion nach einem begeisternden Spiel eine 3:5-Pleite gegen den 1. FC Köln. Es brodelte schon vor dem Anpfiff auf den Rängen, Spannung und Unruhe waren auch 96-Trainer Horst Ehrimg022706.jpeg (13532 Byte)mantraut anzumerken. Er lief wie ein Tiger im Käfig auf dem Rasen auf und ab, so warm wie im Raubtierfell muss ihm ohnehin gewesen sein. Seit 96 diese unglaubliche Serie startete, hat er die dunkelblaue Wind- und Wetterjacke seines Sponsors (Reusch) nicht mehr ausgezogen. Das Spiel gestern war ja auch das Duell zweier Trainer, die bei ihren Erfolgen in Liga zwei auf ein Kleidungsstück als Glücksbringer setzen. Kölns Ewald Lienen trug wieder sein blass-blaues Hemd. Selbst in dieser vergleichsweisen luftigen Bekleidung wurde es Lienen diesmal ganz schnell ganz heiß. Als Andrzej Kobylanski nach nur 72 Sekunden ins linke untere Eck traf, stieg dem Kölner Coach die Zornesröte ins Gesicht, und er tobte an der Außenlinie. Die Spannung hatte sich in einem ersten Blitztor leicht entladen, die 96-Fans forderten schon nach sechs Minuten die Welle. Plötzlich aber sprangen die Zuschauer ganz ungeordnet zur selben Zeit auf, weil es schon wieder im Kölner Tor eingeschlagen, Stendel nach feiner Vorarbeit von Altin Lala zum 2:0 getroffen hatte (7. Minute). Hannovers Anhänger wähnten ihr Team schon auf dem besten Weg nach oben und sangen "Nie mehr zweite Liga". Ganz so schnell geht es aber im Fußball nicht. 96 verlor ein wenig an Aggressivität. Den Fans war es egal, sie versuchten sich nach 30 Minuten wieder an der Welle, diesmal mit Erfolg. Dann aber schwappte eine Kölner Angriffswelle über die 96-Abwehr, und Lottner traf zum ungünstigen Zeitpunkt kurz vor der Pause zum 2:1.

In der Pause waren am Horizont rote Wetterleuchten zu sehen, Zeichen eines nahenden Gewitters. Es lag weiter was in der Luft, doch Stendel vergab wie kurz
vorm Seitenwechsel eine Riesen-Chance (49.). Ab sofort ging es stürmisch hin und her. Als aber Kreuz scheiterte, setzte Lala entschlossen nach und traf aus kurzer Entfernung zum 3:1 - das Spiel schien gelaufen. Weit gefehlt, nun drehte Köln noch einmal auf - und zwar mit Köpfchen. Der eingewechselte Carsten Cullmann traf zuerst mit der Stirn, zwei Minuten später machte es ihm Thomas Cichon nach. Köln legte noch zweimal durch Voigt (81.) und Kurth (84.) nach. Nun strahlte Lienen in seinem Hemd, weil er mit seinem Team frühzeitig den Aufstieg perfekt gemacht hat. Für 96 hat sich der schöne Traum vom der Bundesliga dagegen wohl erledigt.

Die Reaktionen:

96-Trainer Horst Ehrmantraut: Wir sind noch dran, aber nicht mehr mittendrin. Das Spiel war klasse, eine Werbung für den Fußball. Das wirft uns nicht zurück. Wir haben eine grandiose Leistung gegen einen starken FC Köln vollbracht.

96-Manager Wolfgang Levin: Man hat schmerzhaft gesehen, was passiert, wenn man zu wenig gute Abwehrspieler hat. Mehr ist nicht drin. Wir dürfen jetzt den Kopf nicht in den Sand stecken.

Andrzej Kobylanski: Ein Riesenspiel für die Zuschauer. Die zwei schnellen Tore nach dem 3:1 haben uns von der Rolle gebracht.

Daniel Stendel: Wir haben genug Möglichkeiten gehabt, allein ich hätte zwei Tore mehr machen müssen.

Markus Kreuz: Die zwei Standardsituationen gegen uns waren entscheidend.

Jörg Sievers: Ein tolles Spiel, Chancen über Chancen. Aber wenn wir 5:3 verlieren, haben wir mit Sicherheit etwas falsch gemacht.

Die Einzelkritik:

Jörg Sievers: Guter Fänger im Kasten. Mehrmals Retter in höchster Not. Schöner Flug in der 51. Minute, als er den Schuss von Hauptmann aus dem Winkel faustete. Der Kapitän war an den fünf Gegentoren schuldlos.

Mirko Baschetti: Chef einer Abwehr, die nicht sicher stand. Er stopfte zwar viele Löcher, verlor aber auch zu oft den Faden.

Bastian Reinhardt: Immer auf den Fersen des Kölner Riesen Hasenhüttl. Reinhardt war kein Hasenfuß und haute oft dazwischen, aber nicht immer rechtzeitig.

Danijel Stefulj: Kompromisslos gegen Donkow. Hat viele Kölner Angriffe gestört und auch nach vorne gut gespielt.

Stefan Blank: Mit Aufwärtstrend. Musste nach einem Spurt über den halben Platz aber mächtig pumpen.

Harald Gärtner: Konnte den gelbgesperrten Carsten Linke nicht ersetzen. Gärtner fehlt die Aggressivität, mit der Linke die Zweikämpfe sucht. Er schien manchmal orientierungslos.

Mourad Bounoua: Bereitete die meisten Angriffe vor. Auf der rechten Seite mit vielen Kilometern auf dem Tacho.

Markus Kreuz: Schonte sich nicht gegen seine zukünftige Mannschaft. Gefährlich bei Freistößen und Eckbällen.

Andrzej Kobylanski: Superstart mit dem Treffer zum 1:0 in der zweiten Minute für den seit Wochen in Hochform spielenden Kobylanski. Rannte wieder auf der linken Seite hoch und runter.

Daniel Stendel: Für Boss Martin Kind der 96-Profi der Saison. Machte auch wieder ein Tor, aber ein zweites kurz vor und kurz nach der Halbzeit zum 3:1 wäre soooo wichtig gewesen. Die Chancen dazu vergab er jeweils frei stehend.

Altin Lala: Flinker Rechtaußen mit viel Herz. Beim 2:0 Vorbereiter mit Auge, machte das 3:1, das viele fälschlicherweise für das siegbringende gehalten hatten.

Salif Keita: Der Joker stach nicht.

Igoris Morinas: Kam mit Keita und konnte den Sieg auch nicht mehr herausschießen.

Steven Cherundolo: Für Blank eingewechselt, war nicht mehr viel am Ball.

(Quelle: Neue Presse, 09.05.00)


Der nächste Gegner: Am 12. Mai um 19.00 Uhr bei RW Oberhausen.


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