Hannover 96 | Saison 1999/2000, 21.Spieltag |
Hannover 96 - Kickers Offenbach 1:1 (1:1) |
96: Sievers - Kehl (71. Bounoua) - Baschetti, Reinhardt - Lala, Kreuz, Gärtner, Cherundolo, Kobylanski - Stendel, Morinas (46. Keita) / Trainer: Ehrmantraut
Tore: 1:0 Stendel (21.), 1:1 Vladoiu (39.) - Schiedsrichter: Wezel (Tübingen) - Zuschauer: 9 686 - Gelbe Karten: -
Ehrmantrauts Heimpremiere - 96
fehlt einfach das Niveau
Linke nicht mehr Libero - in dieser Woche wird neuer Kapitän gewählt
Der Fahnder war da. Trainer Horst Hrubesch sucht in der
zweiten Liga nach frischen Talenten für die Reserve der Nationalmannschaft, auch A 2
genannt. Was er beim 1:1 im Abstiegskrimi zwischen 96 und Offenbach sah, war nicht 1 A.
Die Partie war in Hälfte zwei erschreckend niveaulos, Hrubesch hat im
Niedersachsen-Stadion keinen neuen Nationalspieler ermittelt. Auch Markus Kreuz empfahl
sich mit seiner Leistung nicht für weitere Einsätze in der A 2. 96-Trainer Horst
Ehrmantraut hatte ihn für dieses eine Spiel zum Mannschaftsführer gemacht. In dieser
Woche soll das Team einen neuen Kapitän wählen. Der alte wurde zum Bankdrücker
degradiert. Carsten Linke war nach 20 Saisonspielen als 96-Libero plötzlich nicht mehr in
der Startelf, was er routiniert kommentierte: "Der Trainer stellt die Mannschaft auf.
Wichtig ist nur, dass wir Erfolg haben." Der aber blieb auch mit dem neuen Abwehrchef
Sebastian Kehl aus.
Dabei hatte die Heimpremiere für Ehrmantraut so gut begonnen. Seine Mannschaft setzte
Offenbach mit Pressing und schwungvollem Offensivspiel unter Druck. "In den ersten 25
Minuten konnten wir uns nicht daraus befreien", erkannte Gästetrainer Peter Neururer
später an. 96 vergab Chancen durch Kobylanski (6. Minute), Kreuz (10.), Lala (14.),
Cherundolo (19.) und Kehl (21.) - bis Daniel Stendel traf. Ehrmantraut grinste und ballte
die Faust, seine Freude über das Tor jedoch war nicht von langer Dauer. Der
96-Angriffswirbel flaute ab. "Da ist unsere Grundordnung verloren gegangen",
analysierte der 96-Coach. Das Chaos in seinem Team nutzte der frühere Kölner
Erstliga-Angreifer Ion Vladoiu zum 1:1.
Nach der Pause kam Salif Keita für Igoris Morinas, und Ehrmantraut hoffte, "dass wir
wieder so gut anfangen wie in der ersten Hälfte". Wurde nichts draus, 96 spielte
immer schlechter. Nach 70 Minuten versuchte es Ehrmantraut mit einer verblüffenden
taktischen Umstellung. Kehl musste seinen Liberoposten räumen und vom Platz, für ihn kam
Mourad Bounoua - und Harald Gärtner durfte auf einmal die Abwehr organisieren. Brachte
aber auch nichts. Die Partie dümpelte weiter dahin, auch Übergangs-Kapitän Kreuz konnte
das schlingernde 96-Schiff nicht mehr auf Kurs bringen.
Fahnder Hrubesch nahm das miese Spiel gelassen: "Die Jungs geben sich ja Mühe, nur
fehlt den Mannschaften das Potenzial." Die Botschaft dieser Worte ist erschreckend:
96 ist einfach nicht besser, die Fans müssen vorm Abstieg zittern.
Die Reaktionen:
96-Trainer Horst Ehrmantraut: Anfangs
hat meine Mannschaft Ordnung gezeigt und kreativ nach vorne gespielt. In der zweiten
Halbzeit wurde unser Spiel konfus. Insgesamt war die Leistung nicht befriedigend.
Peter Neururer, Trainer von Kickers Offenbach: Wir haben verdientermaßen
einen Punkt mitgenommen und können damit gut leben.
Markus Kreuz: Das war ein grottenschlechtes Spiel, das hatte mit Fußball
nichts zu tun. Ich habe mich dem Niveau angepasst.
Bastian Reinhardt: Gegen eine so offensivschwache Mannschaft muss man
einfach gewinnen. Wir müssen uns etwas einfallen lassen, wir haben überhaupt keinen
Spielfluss.
96-Vorstand Uwe Krause: Wir haben schon besser gespielt. Das sind zwei
Punkte zu wenig.
Die Einzelkritik:
Jörg Sievers: Fror in der Kälte,
weil er kaum mal die Chance bekam, sich warm zu fliegen. Nach Rückgaben in Not.
Sebastian Kehl: Der neue Libero fing gut an, versuchte mit direktem Spiel
Tempo zu machen. Dann aber mit etlichen Unsicherheiten.
Mirko Baschetti: Sein Gegenspieler Vladoiu erzielte das 1:1. Der
Manndecker verlor zudem einige Sprintduelle.
Bastian Reinhardt: Brachte des öfteren gerade noch rechtzeitig Fuß oder
Kopf gegen anfliegende Flanken. Im Vorwärtsgang jedoch mit Stockfehlern.
Steven Cherundolo: Schnell,
zweikampfstark und mit Blick für die Situation.
Harald Gärtner: Erst im defensiven Mittelfeld, nach der Auswechslung von
Kehl sogar zum Libero befördert. Fußballerisch eher mit beschränkten Mitteln, fiel aber
in einer schwachen Mannschaft nicht besonders ab.
Andrzej Kobylanski: Neben Stendel gefährlichster Angreifer. Traf einmal
die Torlatte, einen Kopfball konnte Torwart Curko abwehren.
Altin Lala: Der Albaner lässt sich zu schnell vom Angstvirus infizieren.
Wenn der 96-Motor zu stottern beginnt, hat Lala die meisten Aussetzer.
Markus Kreuz: Der A-2-Nationalspieler versagte. Er sollte als Spielmacher
und Kapitän seine Kollegen leiten - er führte sie in die Irre.
Igoris Morinas: Bleibt das 96-Rätsel. Aus dem schnellen Stürmer der
Vorsaison ist ein etwas behäbiger Spieler geworden, der im Strafraum keinem Angst macht.
Daniel Stendel: Erst der Held nach seinem starken Solo zum 1:0. Dann der
Depp, als er anfangs der zweiten Halbzeit bei einer guten Chance am Ball vorbeisemmelte.
Salif Keita: Brachte für zehn Minuten Schwung, passte sich dann den
schwachen Kollegen an.
Mourad Bounoua: Fiel nicht auf.
(Quelle: Neue Presse, 06.03.00)
Der nächste Gegner: Am 12. März um 15 Uhr bei Fortuna Köln