Hannover 96 | Saison 1999/2000, 16.Spieltag |
Hannover 96 - Stuttgarter Kickers 2:1 (2:1) |
96: Sievers - Linke - Stefulj, Reinhardt - Lala, Kreuz (77. Posavec), Tumani, Kobylanski, Kehl - Stendel, Milovanovic (62. Bounoua) / Trainer: Ivankovic
Tore: 1:0 Stendel (3.), 1:1 Tomislav Maric (27.), 2:1 Milovanovic (34.) - Schiedsrichter: Blumenstein (Berlin) - Zuschauer: 5 474 - Gelbe Karten: Kobylanski, Tumani, Lala
Gut für Ivankovic: Erstes
Milo-Tor nach 753 Minuten
Endlich wieder ein Sieg, Trainer braucht noch einen Punkt in Bochum
Dieser Beifall tat gut. Als 96-Trainer Branko Ivankovic
am Dienstag nach dem Spiel gegen die Stuttgarter Kickers den Presseraum betrat, klatschten
viele Leute. Noch besser hatte ihm das 2:1 getan. Es verschafft ihm ein wenig Luft,
Ivankovic darf berechtigt darauf hoffen, Coach in Hannover zu bleiben.
Da stand er nun, der Gentleman-Trainer. Die Hände
hinterm Rücken verschränkt wartete er darauf, was dieser Fußballabend ihm bringen
würde. "Beim Anpfiff ist die erste Nervosität vorbei", hatte Ivankovic einmal
erzählt. "Am schlimmsten ist es vor der Spielbesprechung." Am Dienstag
aber war alles anders. Es ging um seinen Job, und der Kroate wusste das genau. Die
Anspannung war ihm anzumerken. Ein Ivankovic hüpft nicht an der Außenlinie hin und her,
die kleinen Gesten jedoch sagen viel über seinen Gemütszustand. Wie das Kopfschütteln
nach dem Halbzeitpfiff. Es stand 2:1 für 96, und alles schien für Ivankovic auf einem
guten Weg, doch es hätte noch besser laufen können, wenn nicht müssen. Da war diese
Szene in der 38. Minute: Daniel Stendel legte sich den Ball mit dem Rücken zum Tor
stehend kurz vor und schoss ihn gegen den Pfosten.
Es hätte die Vorentscheidung und das Tor des Tages werden können. Nun war auch das 1:0
schon sehenswert gewesen. Andrzej Kobylanski hatte Stendel klug frei gespielt, der zur
Führung traf (3.). Gut für Ivankovics Nervenkostüm. Doch dann begann der Trainer
wild zu gestikulieren und zu schreien, weil seine Mannschaft nicht zu spielerischer Linie
fand und das 1:1 durch Stuttgarts Torjäger Tomislav Maric schlucken musste (27.). Zehn
Minuten später jedoch bedankte sich Goran Milovanovic mit dem 2:1 bei Ivankovic für
dessen Vertrauen. Nach einem Pass von Altin Lala traf er aus 14 Metern ins kurze Eck -
sein erster Treffer nach 753 torlosen Minuten. Milo küsste den Ball, versteckte ihn unter
seinem Hemd und rannte damit zur Mittellinie. "Ich bin glücklich, aber noch
wichtiger war der Sieg für die Mannschaft", sagte er später.
Das Spiel war in der 62. Minute für ihn beendet gewesen. Er humpelte vom Platz. Auch
Ivankovic wirkte weiter ein wenig angeschlagen. So in der 76. Minute: Adnan Kevric schoss
einen Freistoß so platziert, dass Sievers ihn nur mit Mühe gegen den Pfosten lenken
konnte. Als Stuttgarts Libero Darko Ramovs zwei Minuten vor Schluss vom Platz flog,
war der Sieg gerettet - möglicherweise auch Ivankovics Job. Ein Punkt in Bochum am
Freitag, und alles wird gut.
Die Reaktionen:
96-Trainer Branko Ivankovic: Der Sieg war so enorm wichtig für das Selbstvertrauen unserer Spieler sowie für die Trainer und die Leute vom Verein. Wir haben verdient gewonnen. Ich erwarte, dass wir auch in Bochum eine gute Chance haben.
Stuttgarts Trainer Michael Feichtenbeiner: Wir wussten von der Verunsicherung beim Gegner und wollten unbedingt den ersten Auswärtssieg landen. Nach dem 1:1 haben wir uns auskontern lassen, dafür habe ich kein Verständnis.
Ayhan Tumani: In dieser Situation, bei diesem Druck, war das ein Riesenspiel von uns. Wir haben sehr gut gestanden.
Markus Kreuz: In der ersten Halbzeit haben wir gut kombiniert, was zählt ist nur der Sieg.
Jörg Sievers: Wir haben endlich mal wieder zu Hause gewonnen. Nur das ist wichtig.
Carsten Linke: Glückwunsch an die Stürmer, die nach langer Pause wieder getroffen haben.
Daniel Stendel: Wichtig ist, einen Sieg eingefahren zu haben. Ich hätte noch einen Treffer mehr machen müssen.
Aufsichtsrat Dr. Martin Biskowitz: Das Wie ist zu vernachlässigen. Am Freitag wird es schwerer.
Klubchef Martin Kind: Die Mannschaft hat sich den Sieg verdient. Aber klar ist auch: Es gibt noch einiges zu tun.
Die Einzelkritik:
Jörg Sievers: Sicher hinter einer unsicheren Abwehr. Will noch in dieser Woche seinen Vertrag verlängern. Soll weniger als Ersatztorhüter Müller verdienen. 96 sollte dafür sorgen, dass Sievers bekommt was er verdient - einen besseren Vertrag.
Carsten Linke: Beim 1:1 stimmte es hinten nicht. Auch sonst stand die Verteidigung wie ein klappriger Gartenzaun, nicht wie eine Mauer. So etwas fällt auf den Chefplaner zurück.
Bastian Reinhardt: Auch mit einigen unglücklichen Aktionen.
Danijel Stefulj: Der Abwehrmann mit dem besten Auge. Löscht das Feuer, bevor es entflammt.
Altin Lala: Beendete die Minusserie von miserablen Leistungen. Bereitete das 2:1 vor.
Sebastian Kehl: Der Junioren-Nationalspieler wirkt ohnehin etwas behäbig. Gestern aber provozierend pomadig. Im Moment bei der Bundeswehr - nach so einer Leistung gehört er in die Strafkompanie versetzt.
Andrzej Kobylanski: Einhellige Meinung auf der Tribüne: Was ist denn mit Koby los? Spielte zumindest anfangs gut, bereitete das 1:0 mit tollem Solo vor - das hat ihm kaum einer zugetraut. Sah die fünfte gelbe Karte - in Bochum gesperrt.
Ayhan Tumani: Schon das zweite Spiel in Folge dabei, wie in Fürth auf links. In der Defensive zu weit weg vom Gegenspieler, nach vorne unauffällig.
Markus Kreuz: Es ist ein Kreuz mit dem A2-Nationalspieler. Wirkt bemüht wie ein Ober, der seinen Gästen alles recht machen will. Aber er serviert zu viel schwer Genießbares.
Daniel Stendel: Lieferte das Sahnestück der Partie. Trickste sich im Stuttgarter Strafraum frei und hämmerte den Ball gegen den Innenpfosten. Traf aber zum 1:0. Vergab dann noch zweimal die Chance zum 3:1.
Goran Milovanovic: Sein Torkonto war schwer im Minus, zahlte aber mit dem 2:1 einen Batzen Schulden beim Trainer, der an ihm fest gehalten hat, zurück.
Mourad Bounoua: Einmal per Notbremse gestoppt, provozierte die Gelb-Rote-Karte für Ramovs. Vergab das 3:1 in der Nachspielzeit.
Hier die Tore online: http://www.stud.uni-hannover.de/~willy/tor96.htm
(Quelle: Neue Presse, 15.12.99)
Der nächste Gegner: Am 17. Dezember um 19.00 Uhr beim VfL Bochum.