Hannover 96 | Saison 1999/2000, 13.Spieltag |
1. FC Köln - Hannover 96 3:1 (1:0) |
96: Sievers - Linke - Stefulj, Reinhardt - Lala, Kehl (86. Morinas), Kreuz, Omodiagbe, Kobylanski - Stendel (67. Bounoua), Milovanovic (46. Keita) / Trainer: Ivankovic
Tore: 1:0 Lottner (4.), 1:1 Hauptmann (48., Eiegntor), 2:1 Lottner (82.), 3:1 Timm (90.) - Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart) - Zuschauer: - Gelbe Karten: Lala, Kehl, Linke
96 macht uns verrückt, sogar
Sievers ist verwirrt
Mehr drin beim Spitzenreiter, Hannover muß nach unten schauen
In der vorigen Spielzeit war alles besser. Jedenfalls,
wenn 96 gegen den 1. FC Köln spielte. Es gab zwei Siege, acht Tore, zwei davon beim
Auswärtssieg im Februar. Freitag verlor 96 mit 1:3 in Köln, es war die sechste Pleite
mit Trainer Branko Ivankovic.
Torhüter Jörg Sievers war gewarnt. "Der Lottner hat mir vor Jahren mal einen
Freistoß aus 35 Metern reingehauen", erinnerte er sich vor der Partie. Er hatte am
Montag auch den Treffer Dirk Lottners beim 3:1 in Chemnitz im DSF gesehen - ein
Kunstschuss von der Außenlinie. Nun schaute Sievers dumm aus der Wäsche, als Lottner ihn
mit einem beinahe identischen Schuss überwand. Genau genommen war es eine verrutschte
Flanke, an der Hannovers Nummer eins vorbeiboxte (4.). Ein schlimmer Start, und es wurde
erst mal nicht besser. Brauchte 96 "den Ball in der vorigen Saison nur nach vorne zu
schlagen, und schon herrschte bei Köln Chaos" (Sievers) war es nun anders herum. Die
Chaoten waren nun die Hannoveraner - übrigens dieselben elf, die gegen St. Pauli versagt
hatten. Mourad Bounoua hatte überraschend zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen
müssen. Für ihn durfte Darlington Omodiagbe im defensiven Mittelfeld ran. Er sprach sich
nicht gut mit seinen Nebenleuten ab, es gab ein einziges Wirrwarr bei 96. Was Lottner
beinahe erneut genutzt hätte. Doch er scheiterte an Sievers, der in der 14. Minute schon
geschlagen schien, als Matthias Scherz den Ball aus 22 Metern an den Pfosten beförderte.
96 bemühte sich nun, das Spiel in geordnete Bahnen zu lenken, was auch immer besser
gelang. Als Daniel Stendel von Sichone zu Fall gebracht wurde (20.), forderten die
96-Profis Elfmeter, doch Schiedsrichter Schmidt meinte, das Foul jenseits des Strafraums
gesehen zu haben. 96 brachte den Tabellenführer nun einige Male in Verlegenheit. Altin
Lala (28.) und Goran Milovanovic (40.) verstolperten aber am Elfmeterpunkt. Stendels
Linksschuss konnte Kölns Torhüter Pröll nur mit Mühe parieren (34.).
Es ging mit dem 0:1 in die Pause, die zweite Hälfte begann ähnlich kurios wie die erste.
Danijel Stefulj flankte, Kölns Libero Hauptmann verlängerte den Ball mit dem Kopf ins
Tor (48.). Nun hatte 96 die Partie weitgehend im Griff, Köln kaum noch zwingende Chancen.
Doch in der Schlussphase wars plötzlich wieder dahin mit der Ordnung im Spiel. Es endete
für 96 wie ein Chaos-Tag. Dirk Lottner nutzte die Hektik in Hannovers Hintermannschaft
mit einem harten Schuss ins rechte untere Eck (83). Und eine Minute vor Schluss durfte
dann auch der eingewechselte Christian Timm noch einmal: Er traf aus 18 Metern - das wars
für 96.
Die Reaktionen:
Kölns Trainer Ewald Lienen: Das war wirklich Glück. Wir müssen uns beim lieben Gott bedanken, daß die Hannoveraner für ihr gutes Spiel nicht belohnt worden sind. 96 ist eine der spielstärksten Mannschaften, schießt aber zu wenig Tore.
96-Trainer Branko Ivankovic: Die Kölner haben gezeigt, daß sie die beste Mannschaft der Liga sind. Wir können mit unserem Spiel zufrieden sein, mit Ausnahme der ersten 15 Minuten. In einer offenen Partie hatten wir durchaus die Chance, zu punkten.
Andrzej Kobylanski: Wir haben Chancen genug gehabt. Nach dem 1:1 haben wir gut gespielt, aber unglücklich verloren. Jetzt müssen wir Oberhausen schlagen.
Sebastian Kehl: Die Chancen, die wir auswärts haben, müssen wir auch nutzen. Wir haben nur eine Viertelstunde Probleme gehabt, dann aber sehr gut gespielt.
Carsten Linke: Wir waren die klar bessere Mannschaft und verlieren hier 1:3, das ist bitter.
Jörg Sievers: Vorm 0:1 habe ich mit einer Flanke gerechnet und mich falsch positioniert.
Kölns Doppel-Torschütze Dirk Lottner: Ich würde zur Zeit sogar eine Eisenstange treffen. Mir gelingt alles.
Die Einzelkritik:
Jörg Sievers: Hat schon viele Punkte fest gehalten. Gestern nicht. Gegen Lottner sah der 34-jährige alt aus.
Carsten Linke: Rettete einmal für Sievers vor der Linie. Der Libero zeigte sich im Vergleich zum Katastrophenkick gegen St. Pauli verbessert. Recht so.
Bastian Reinhardt: Zwar kein Basti Fantasti, immerhin solider Manndecker gegen Kölns Kurth.
Danijel Stefulj: Dem zweiten soliden 96-Manndecker (erst gegen Donkow, dann gegen Timm) wäre beinahe sein zweites Saisontor gelungen - aber Kölns Hauptmann erledigte den Rest.
Altin Lala: Kölns Springer hüpfte ihm ein ums andere Mal weg. Der 96-Albaner spielte nicht nur so la la, sondern richtig schlecht.
Darlington Omodiagbe: Der lange Nigerianer blieb blaß. So wird er nie der 96-Darling.
Sebastian Kehl: Spielte sich aus der Mannschaft - der U21-Nationalspieler ist nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt.
Andrzej Kobylanski: Spielte eher Verstecken als Fußball. Und wenn er mal versuchte, sich durchzubeißen, war das weder Fisch noch Fleisch.
Markus Kreuz: Das 96-Ass war er gestern nicht, kreuzte aber ab und an gefährlich vorm FC Strafraum auf. Ließ stark nach.
Daniel Stendel: Fast immer in Bewegung, dazu torgefährlich - bis zu seiner Auswechslung der beste 96er.
Goran Milovanovic: Hätte er nicht schon eine Glatze, wären ihm gestern wahrscheinlich die letzten Haare ausgefallen - vor Frust. Sollte er je wieder ein Tor für 96 erzielen?
Salif Keita: Kam für Milo. Nur dabei, statt mittendrin.
Mourad Bounoua: Kam für Stendel. Auch nur dabei.
Igoris Morinas: Kam für Keghl. Was will er in vier Minuten noch bewegen?
Hier die Tore online: http://www.stud.uni-hannover.de/~willy/tor96.htm
(Quelle: Neue Presse, 26.11.99)
Der nächste Gegner: Am 3. Dezember um 19.00 Uhr zu Hause gegen RW Oberhausen.