Hannover 96 | Saison 1999/2000, 4. Spieltag |
Kickers Offenbach - Hannover 96 0:2 (0:1) |
96: Sievers - Linke - Baschetti, Reinhardt - Blank (46. Lala), Kehl, Kobylanski, Kreuz (89. Stendel), Stefulj - Morinas (72. Bounoua), Milovanovic / Trainer: Ivankovic
Tore: 0:1 Blank (22.), 0:2 Kobylanski (90.) - Schiedsrichter: Schößling (Leipzig) - Zuschauer: 15 000 - Gelbe Karten: Milovanovic, Reinhardt, Stefulj - Gelb-Rote Karte: Baschetti
96 geht durch die Hölle, der Lohn
ist himmlisch
Zweiter Auswärtssieg, obwohl Baschetti fliegt
Sie funktionierte einfach nicht. 20 Minuten lang war
auf der Anzeigetafel im Stadion am Bieberer Berg am Freitag Abend nichts zu sehen. Dann
leuchtete der erste Schriftzug auf: "Der OFC und seine Fans. Zusamme schaffe
mers."
Die Offenbacher Kickers jedoch schafften auch in den restlichen 70 Minuten nichts gegen
Hannover - jedenfalls nichts Zählbares, 96 gewann 2:0.
An den Anhängern hat es nicht gelegen. Die Zuschauer machten 96 das Fußball-Leben zur
Hölle, sie pfiffen bei jeder Aktion der Gäste. Das wirkte, vor allem zu Beginn des
Spiels. 96 kam 20 Minuten lang nicht einmal vors gegnerische Tor, das Team wurde von den
Kickers in die eigene Hälfte gedrängt. Hannover funktionierte in der Offensive zunächst
ungefähr so gut wie die Anzeigetafel.
Das aber änderte sich in Minute 21, als Stefan Blank seinen Ex-Kollegen Matthias
Dworschak links liegen ließ und den Ball aus 20 Metern in den rechten Winkel beförderte
- ein Traumtor.
Da schaute auch Dworschaks Freundin Jeanette recht irritiert drein. Dabei hätte es doch
ein so schöner Abend werden sollen für sie und ihren Fußball spielenden Lebenspartner,
weil der erstmals für Offenbach von Beginn an ran durfte. Anfangs ruhte die aparte Blonde
geradezu in sich, nach dem 0:1 aber griff sie sich vor lauter Nervosität ins lange
Haupthaar, riss sich die Sonnenbrille vom Kopf und ließ sie im vornehmen Joop-Etui
verschwinden.
Jeanette wurde einfach nicht mehr ruhig an diesem Abend, es war einfach zu spannend.
Offenbach machte weiter Druck - und wäre kurz vor der Pause durch einen Schuss von
Incescu beinahe zum Ausgleich gekommen. Auch Dworschak versuchte sich vorm Wechsel noch
einmal, sein Kopfball segelte am Tor vorbei.
Torschütze Blank musste wegen einer Oberschenkel-Verletzung vor Hälfte zwei raus, für
ihn kam Altin Lala. Offenbach ging früh hohes Risiko, 96 jedoch konnte seine wenigen
Konterchancen nicht nutzen - die besten vergab Goran Milovanovic (54., 60. und 85.
Minute).
Als Mirko Baschetti nach einem Foul an dem eingewechselten Oliver
Roth mit Gelb-Rot vom Platz musste (73.), geriet 96 immer stärker unter Beschuss. Doch
die
Abwehr um Libero Carsten Linke und den starken Bastian Reinhardt hielt. Offenbach vergab
leichtfertig auch die letzte gute Gelegenheit bei einem 18-Meter-Freistoß durch Stohn.
Pfiffe gabs bis zum Schluss jedoch nicht. Auch nicht, als Kobylanski in der Schlussminute
noch zum 2:0 für 96 traf - schon der zweite Auswärtssieg im zweiten Spiel auf fremdem
Platz. Vielleicht sollte Hannover beim DFB beantragen, das nächste Heimspiel gegen
Fortuna Köln (Sonntag in acht Tagen) an den Rhein zu verlegen.
Die Reaktionen:
96-Trainer Branko Ivankovic: Wir haben
Kampfgeist und Moral bewiesen und verdient gewonnen. Es war eine phänomenale Atmosphäre.
Wir wussten, dass Offenbach unter Druck steht. Durch das Tor von Blank ist aber früh Ruhe
reingekommen. Die Spieler haben gezeigt, wie man für einen Verein kämpfen muss.
Offenbachs Trainer Hans-Jürgen Boysen: Ich bin enttäuscht.
Unterstützung der Fans und Engagement der Spieler haben gestimmt. Unser Problem ist, dass
wir nicht knipsen.
96-Torhüter Jörg Sievers: Das Spiel ist so gelaufen, wie wir uns das
vorgestellt haben. Der Sieg war verdient, weil Offenbach kaum Chancen gehabt hat.
96-Kapitän Carsten Linke: Wir hatten nie Angst, dass das kippen könnte.
Wir haben wenig Chancen zugelassen und hinten gut gestanden.
Andrzej Kobylanski: Es freut mich, dass ich nach langer Pause wieder in
die Mannschaft gerutscht bin und gleich das wichtige Tor erzielt habe.
96-Klubchef Martin Kind: Das Spiel war nicht berauschend. Wichtig ist
aber der Sieg.
96-Manager Thomas von Heesen: Die Mannschaft hat sich reingehauen.
Reinhardt war Weltklasse.
Mirko Baschetti: Die Offenbacher hatten mehr Spielanteile, aber kaum eine
Chance. Meine gelb-rote Karte war völlig überzogen.
96-Aufsichtsrat Dr. Martin Biskowitz: Das Wichtigste an diesem Abend war
der Sieg.
Zauber-Torschütze Stefan Blank: Ich habe mich gleich am Anfang an der
Leiste verletzt, da hat es geprickt. Ich denke aber, dass ich zum Spiel bei Fortuna Köln
wieder fit bin.
Die Einzelkritik:
Jörg Sievers: Flog zwar einmal an
einer Ecke vorbei, aber ansonsten tadellos. Was wäre 96 ohne diesen kühlen Fänger im
Kasten?
Carsten Linke: Der König der Abwehr. Ließ sich weder schach noch matt
setzen. Behielt stets die Übersicht, wenn die Offenbacher anrollten.
Bastian Reinhardt: Der Turm der Abwehr. Erstaunlich beweglich, fürs Team
unverzichtbar. Rettete mehrmals in höchster Not.
Mirko Baschetti: Wieder Verteidiger, nicht mehr als Staubsauger im
Einsatz. Gegen ihn backte der Ex-96-Profi Becker kleine Brötchen.
Stefan Blank: Man kann es nun mal nicht anders formulieren - das Tor von
Blank war blitzsauber. Bedankte sich so dafür, dass ihn Trainer Ivankovic von der
ungeliebten Manndeckerposition wieder auf die geliebte linke Seite gestellt hatte. Sein
verletzungsbedingter Ausfall - ein Verlust fürs Team.
Sebastian Kehl: Der Libero der Zukunft durfte sich schon mal als Chef vor
der Abwehr versuchen. In der zweiten Halbzeit besser. Aber mit vielen Fehlern, er muss
noch ziemlich viel üben.
Andrzej Kobylanski: Erst Abfangjäger im zentralen Mittelfeld, dann für
Blank auf links. Mit vielen Ballverlusten, machte aber das entscheidende zweite Tor - und
das eiskalt.
Danijel Stefulj: Der Schneider. Versuchte Löcher in der Abwehr zu
stopfen. Hatte aber auch einige Fehler auf der Naht.
Markus Kreuz: Die Dame des 96-Spiels. Der Denker der Mannschaft.
Außerdem - so beweglich ist kein anderer in der Mannschaft.
Goran Milovanovic: Der bestbewachte 96-Spieler. Konnte sich zweimal
absetzen, lief beide Male allein aufs Tor zu, ließ sich aber abdrängen. Das hatte zuvor
besser geklappt.
Igoris Morinas: Der Torjäger in der Warteschleife. Erzielte immer noch
kein Tor in dieser Saison. Durfte aber immerhin über einige gewonnene Zweikämpfe jubeln.
Altin Lala: Der Läufer. Kam für Blank, spielte seine Schnelligkeit aus.
Doch oft zu hektisch.
Mourad Bounoua: Nach dem Platzverweis von Baschetti für Morinas zur
Mittelfeldsicherung eingewechselt. Eine wattstarke Leistung.
Daniel Stendel: Mit klarem Auftrag bei seinem ersten Einsatz - Zeit
gewinnen durch seine Einwechslung.
Hier die Tore online: http://www.stud.uni-hannover.de/~willy/tor96.htm
(Quelle: Neue Presse, 11.09.99)
Der nächste Gegner: Am 19. September zu Hause gegen Fortuna Köln.