Hannover 96 | Bundesligakurier |
Für Dieter Hecking begann die neue Saison auch auf einer neuer Position. Nach dem Wechsel von Fabian Ernst zum Hamburger SV wurde bei Hannover 96 ein neuer Libero gesucht. Nach der Absage des Siegeners Kuci mußte Trainer Reinhold Fanz in den eigenen Reihen suchen. Er fand in Dieter Hecking den Spieler, der aufgrund seiner Erfahrung für diesen Posten prädestiniert war. Der 33 Jahre alte Familienvater von zwei Mädchen und zwei Jungen fühlt sich auf der Libero-Position sehr wohl. In einem Interview mit dem Bundesliga-Kurier stand Dieter Hecking Rede und Antwort über seine Rolle, über das bisherige Abschneiden und über die Zukunft von Hannover 96.
Bundesliga-Kurier: Ist die Aufstiegs-Euphorie bei Hannover 96 nach den drei Niederlagen in Folge schon verflogen?
Dieter Hecking: Nein, auf gar keinen Fall. Die Spiele in der zweiten Bundesliga sind doch etwas Besonderes. Die Niederlagen haben uns nicht aus der Bahn geworfen. Diese Spiele, in denen wir Lehrgeld zahlen mußten, waren einfach Lernprozesse für die Mannschaft".
Bundesliga-Kurier: Was hat sich geändert gegenüber der Regionalliga, wenn Sie auf die ersten Zweitliga-Spiele zurückblicken?
Dieter Hecking: Unser Angriff macht nicht mehr die Tore, die wir in den vergangenen zwei Jahren in großer Zahl erzielt haben. Die Gegner stehen kompakter in der Abwehr, unsere Stürmer haben nicht mehr die Räume und unsere Mannschaft spielt zu wenige Torchancen heraus."
Bundesliga-Kurier: Müssen sich die Spieler umstellen, wenn sie als Mannschaft wieder erfolgreich sein wollen?
Dieter Hecking: Ich denke schon, daß wir uns umstellen müssen. Wir haben alle in Unterhaching und Gütersloh gesehen, daß wir mit einer Schönspielerei nicht zu Punkten kommen. Gerald Asamoah hat es zum Beispiel sehr schwer, sich gegen starke Abwehrreihen durchzusetzen. Ich bin aber ganz sicher, daß der Knoten bei ihm schnell platzen wird. Vielleicht schon heute gegen den 1. FC Köln.
Bundesliga-Kurier: War der Wechsel von Fabian Ernst zum HSV Ihr Glück?
Dieter Hecking: Sein Transfer war für uns ein großer Verlust. Er steht vor einer großen Karriere. Ich hoffe, daß er auf dem Boden bleibt, dann werden wir noch viel von Fabian hören. Sein Wechsel war in der Tat für mich ein Glücksfall. Ich habe mich aber nicht für diesen Posten angeboten. Der Trainer hat in einem Vorbereitungsspiel mich als Libero nominiert, ich habe die Chance wohl genutzt".
Bundesliga-Kurier: Mußten Sie sich als gelernter Stürmer nicht ganz gewaltig umstellen?
Dieter Hecking: Natürlich, ich sehe das Spiel aus einer ganz anderen Perspektive. Es ist auch eine ganz andere Belastung vom Kopf her. Ich glaube auch, daß man erst nach 20 oder 30 Spielen sagen kann, dieser Rolle kannst Du spielen."
Bundesliga-Kurier: Gibt es gegen den 1. FC Köln den von allen sehnsüchtig erwarteten dritten Saisonsieg?
Dieter Hecking: Für beide Mannschaften wird dies ein ganz schweres Spiel. Die Kölner haben - gemessen an ihren Ansprüchen - einen klassischen Fehlstart hingelegt. Sie haben sicherlich erkannt, daß man als Bundesliga-Absteiger nicht so offensiv in die Spiele gehen kann. Der Kölner Trainer hat auch wohl schon umgestellt. Bernd Schuster mußte sich wie seine Mannschaft erst einmal an die neue Umgebung gewöhnen. Wir hatten Glück, daß wir die Karlsruher und Bielefelder gleich zu Saisonbeginn vorgesetzt bekommen haben. Beide Mannschaften hatten sich noch nicht auf das Zweitliga-Niveau umgestellt."
Bundesliga-Kurier: Hat Sie eigentlich überrascht, daß die Trainer Jörg Berger und Ernst Middendorp als erste in der Saison gehen mußten?
Dieter Hecking: Es ist schon bemerkenswert, daß sie gehen mußten. Ihre ehemaligen Mannschaften haben wir geschlagen. Es waren vielleicht die Altlasten, die zu ihrem Scheitern geführt haben. Mit Thomas von Heesen haben die Arminen jetzt einen Sympathieträger als Trainer."
Bundesliga-Kurier: Kann heute ein Sieg über den 1. FC Köln gelingen?
Dieter Hecking: Versprechen können wir nichts. Wir bemühen uns um den zählbaren Erfolg. Unsere Fans möchten wir auch nicht enttäuschen. Es muß uns etwas gelingen."
(Quelle: Bundesligakurier Heft 2 Saison 1998/99)