Hannover 96

2. Bundesliga 98/99, 33. Spieltag


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SpVgg Greuther Fürth - Hannover 96 0:1 (0:0)

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96: Müller - Linke - Reinhardt, Dworschak (61. Baschetti) - Kreuz (75. Gerber), Addo (57. Morinas), Lala, Rasiejewski, Blank - Asamoah, Kobylanski / Trainer: Gerber

Tore: 0:1 Morinas (87.) - Rote Karte: Müller (80, Handspiel außerhalb des Strafraums) - Zuschauer: 6 900


1:0-Sieg in Fürth: Torwart Kobylanski rettet 96 die Hoffnung
Müller fliegt, spätes Tor von Morinas, zwei müssen zum Finale helfen

Sie standen in der Fankurve und feierten sich gegenseitig. Die Spieler beklatschten ihre 1500 treuen Anhänger, die nach Fürth gekommen waren. Die Zuschauer bejubelten schließlich ihre 96-Lieblinge für einen irren 1:0-Sieg. "Wahnsinn, so ein verrücktes Spiel habe ich noch nicht erlebt", freute sich Bastian Reinhardt. In Unterzahl mit einem zum Torwart umfunktionierten Stürmer Andrzej Kobylanski gegen Greuther Fürth gewonnen - damit lebt die Hoffnung weiter.

Nach dem Erfolg im Playmobil-Stadion hat 96 noch nicht ausgespielt im Aufstiegskampf. Trotz des Sieges der Ulmer bei TB Berlin kann es noch klappen. Dazu müßten aber ausgerechnet die schlappen Fürther in Ulm gewinnen, und Karlsruhe darf in Unterhaching nicht siegen. Der 96-Trainer ist skeptisch: "Wer die Gesetze im Fußball kennt, der kann nicht erwarten, daß Fürth sich noch mal aufrafft", fürchtet Franz Gerber.

Eigentlich sah es auch nicht mehr danach aus, daß sich 96 aufraffen kann, um die Hoffnung zu erhalten. Die komplette erste Halbzeit verschlief die Mannschaft. "Aufwachen", forderten die hannoverschen Fans. Auch in der zweiten Hälfte lief es kaum besser. "Wir waren schlechter", gestand Libero Carsten Linke. Planlos, harmlos, drucklos - 96 hatte jedoch Glück, daß die Fürther "die Dinger einfach nicht reingemacht haben", wie Trainer Benno Möhlmann meinte. Surmann (56.) und van Lent (73.) vergaben die größten Möglichkeiten. Und dann schien alles aus. Torwart Heinz Müller fing den Ball vor Klee vor der Strafraumlinie ab, meinte Schiedsrichter Werthmann und zeigte Rot. Weil Gerber schon dreimal ausgewechselt hatte, entschied sich der Coach "in Sekundenbruchteilen für Kobylanski" als Torhüter. Der Pole hatte 80 Minuten unglücklich agiert, aber in den letzten zehn Minuten war er der Größte. Er hielt sein Tor sauber und erlebte aus ungewohnter Entfernung den Treffer zum 1:0. Der eingewechselte Igoris Morinas erkämpfte sich den Ball gegen zwei pomadige Fürther, rannte allein aufs Tor zu und traf (88.).

"Endlich haben wir mal Glück gehabt", jubelte Altin Lala. Aber der Erfolg wäre wie so oft in den vergangenen Wochen der Mannschaft aus den Händen geglitten, wenn nicht ausgerechnet Kobylanski eine, so Libero Linke, "Wahnsinnsparade" gezeigt hätte. Einen 16-Meter-Schuß von Surmann faustete Kobylanski in der Nachspielzeit aus dem Tordreieck. Das war weltklasse, auch Jörg Sievers hätte sich für so eine Glanztat feiern lassen können. Nachher trugen die 96-Kollegen Koby auf Schultern in die Fankurve. "Man soll niemals nie sagen", hofft Linke weiter auf den Aufstieg.

Die Reaktionen:

96-Trainer Franz Gerber: Ich bin natürlich sehr stolz auf diese Mannschaft. Es war kein gutes Spiel, aber wir haben bis zur letzten Minute alles gegeben, um das schier Unmögliche noch möglich zu machen und in Unterzahl hier zu gewinnen. Wir haben in den letzten 15 Spielen 30 Punkte geholt. Das ist unglaublich.

Greuther Fürths Trainer Benno Möhlmann: Meine Spieler sind alle sehr deprimiert. Es ist nicht einfach für uns, diese Niederlage wegzustecken. Wir haben eindeutig dominiert, aber unsere Chancen nicht verwertet. In Ulm wollen wir noch mal eine engagierte Leistung bringen, um da vielleicht für 96 die Saison zu einem guten Ende zu bringen.

96-Chef Martin Kind: Die Spannung bleibt erhalten. Nürnberg hat auch nicht daran geglaubt, daß sie absteigen.

Altin Lala: Es war ein ganz schweres Spiel für uns. In der ersten Halbzeit sind wir gar nicht reingekommen. In der zweiten lief's besser. Koby hat uns gerettet. Jetzt müssen wir hoffen.

Stefan Blank: Wir haben hier glücklich gewonnen. Vielleicht passiert am letzten Spieltag noch ein Wunder.

Matthias Dworschak: Es war sensationell. Wir dürfen jetzt nicht aufgeben.

 

Die Einzelkritik:

Heinz Müller: Rettete viermal in höchster Not. Ein sicherer Rückhalt, bis er mit Rot vom Platz mußte.

Carsten Linke: Gab als Abwehrchef lautstark den Ton an. Bei einigen Fehlpässen verstummten die 96-Fans allerdings vor Entsetzen.

Matthias Dworschak: Mit Licht und Schatten - bis es um ihn herum nach einer Kopfnuß von Reichel dunkel wurde. Der Manndecker blutete stark, mußte mit acht Stichen genäht werden.

Bastian Reinhardt: Der 96-Riese war auch am Boden stark, blockte zwei Schüsse von van Lent ab. Unglücklich jedoch im Spielaufbau.

Jens Rasiejewski: Saugte wie üblich vor der Abwehr Staub. Nach vorne stotterte der Mittelfeldmotor aber.

Altin Lala: Einer von wenigen, die sich ohne Ball bewegten. Trotzdem glücklos, weil seine Pässe in die Spitze keine Abnehmer fanden.

Stefan Blank: Ließ sich allein in Hälfte eins viermal den Ball wegnehmen. Es war nicht sein Tag.

Markus Kreuz: Auch er war gestern kein As. Rannte viel, doch es lief überhaupt nicht.

Otto Addo: Klagte über Grippebeschwerden. Mußte trotzdem ran. Nach einer knappen Stunde war der Ghanaer mit seinen Kräften am Ende.

Andrzej Kobylanski: Als Feldspieler bemüht, seine besten Szenen hatte er aber als Müller-Vertreter im Tor.

Gerald Asamoah: Was war bloß mit dem 96-Stürmerstar los? Gewann kaum einen Zweikampf - kraftlos.

Igoris Morinas: Als er für Addo eingewechselt wurde, kam Schwung in die Offensive. Nicht nur wegen seines Tores der beste 96-Spieler.

Mirko Baschetti: Kam für Dworschak, kämpfte verbissen.

Fabian Gerber: Für Kreuz reingekommen, konnte sich nicht mehr auszeichnen.

(Quelle: Neue Presse, 14.06.99)


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