Hannover 96

Saison 2005/06, 27.Spieltag


Werder Bremen - Hannover 96 5:0 (2:0)


Werder Bremen: Wiese - Pasanen, Fahrenhorst, Naldo, Schulz - Frings - Jensen, Borowski - Micoud - Klose, Valdez / Trainer: Schaaf

Hannover 96: Enke - Cherundolo, Mertesacker, Zuraw, Tarnat - Lala - Balitsch, Dabrowski - Stajner - Hashemian, Brdaric / Trainer: Neururer

Eingewechselt: 33. Vranjes für Frings, 70. Owomoyela für Micoud, 79. Klasnic für Klose - 46. Schröter für Cherundolo, 71. Ricardo Sousa für Lala

Tore: 1:0 Valdez (43., Rechtsschuss, Vorarbeit Micoud), 2:0 Micoud (45+2., Rechtsschuss), 3:0 Valdez (52., Rechtsschuss, Klose), 4:0 Klose (54., Rechtsschuss, Micoud), 5:0 Valdez (82., Rechtsschuss, Borowski) - Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne) - Zuschauer: 42 500 - Gelbe Karten:  Vranjes - Mertesacker, Tarnat, Brdaric, Balitsch


Nach dem 1:3 in Nürnberg konnte Bremens Trainer Thomas Schaaf wieder auf den zuletzt verletzten Spielmacher Micoud zurückgreifen, für den Vranjes weichen musste. Weitere Änderungen: Pasanen und Valdez kamen für Owomoyela und Klasnic zum Einsatz. Rechtzeitig wieder fit wurde Nationalspieler Frings, der in Nürnberg frühzeitig mit Wadenverletzung ausschied und beim Länderspiel gegen die USA am Mttwoch fehlte. Hannovers Coach Peter Neururer vertraute exakt der Elf, die gegen Köln mit 1:0 gewann.

Werder war in der Anfangsphase sofort bemüht, Druck auf den Gegner auszuüben, machte sich das Leben aber mit zahlreichen Fehlpässen im Mittelfeld (Jensen!) zunächst selbst schwer. 96 stand kompakt, löste sich schnell aus der Abwehr und hatte nach elf Minuten die Riesenchance zur Führung, als Dabrowski frei vor Wiese an der Blitzreaktion des Werder-Keepers. Während die Hanseaten weiter unter der mangelnden Präsenz ihres sonst so spielstarken Mittelfelds litten, starteten die Niedersachsen nun einen gefährlichen Angriff nach dem anderen. Die Schaaf-Elf hatte es nach gut 20 Minuten allein Wiese zu verdanken, dass sie nicht in Rückstand lag: Der ehemalige Lauterer hielt sein Team mit Paraden gegen Dabrowski (17.), Brdaric (21.) und auch gegen Mertesacker (22.) im Spiel. Von Bremen war lange nichts zu sehen, ein Stockfehler jagte den nächsten, Hannover war in allen Belangen überlegen. Lediglich die mangelnde Chancenverwertung - Hashemian zögerte völlig frei am Elfmeterpunkt viel zu lange mit dem Abschluss (25.) - verhinderte die überfällige Führung der Gäste. Nachdem Wiese auch einen Freistoß-Hammer von Tarnat entschärft hatte (29.), prallten auf der Gegenseite Borowski und Zuraw mit den Köpfen zusammen und mussten auf dem Feld behandelt werden. In der Spielpause verließ Frings, für den sein Einsatz anscheindend doch zu früh kam, humpelnd den Platz - für den Nationalspieler kam Vranjes (33.). Zuraw konnte sofort weitermachen, Borowski wurde außerhalb des Spielfelds weiter behandelt, feierte dann nach der Rückkehr auf den Rasen aber eine fulminante Auferstehung: Von Klose in die Spitze geschickt, scheiterte der Blondschopf erst an Enke und dann im Nachschuss am Außenpfosten (35.). Danach kamen die Hausherren etwas besser ins Spiel, aber die dann zu Buche stehende 2:0-Führung beim Kabinengang war mehr als schmeichelhaft: Zunächst schickte Schulz Micoud links auf die Reise. Der Franzose, bis dorthin kaum aufgefallen, legte am Strafraum quer auf Klose, der aber bedrängt von Mertesacker und Zuraw genau wie seine Gegenspieler und Keeper Enke den Ball durchlaufen ließ. Nutznießer war Valdez, der dahinter nur noch den Fuß hinhalten musste und ins leere Tor einschob (43.). Und Sekunden vor dem Pausenpfiff nutzte der französische Regisseur die dritte Werder-Chance zum zweiten Tor: Mertesacker wehrte einen Klose-Schuss im Strafraum mit der Hand ab, Schiedsrichter Kinhöfer ließ weiterspielen. Micoud hielt aus 17 Metern einfach drauf, Mertesacker fälschte ab und das Sportgerät trudelte unhaltbar für Enke ins Netz. 

Nach dem Wechsel musste 96 kommen - Bremen hatte Platz zum Kontern. Jensen vergab nach Vorarbeit von Klose (48.), doch die folgenden Chancen nutzten die Hanseaten konsequent: Valdez erzielte nach uneigennütziger Vorarbeit von Goalgetter Klose seinen zweiten Treffer, als er eine Vorlage des allein auf Enke zulaufenden Nationalstürmers aus spitzem Winkel einschob (52.). Und nur eine Minute später schlug auch der Schützenkönig der Liga selbst zu, als er nach gewonnenem Strafraumduell gegen Mertesacker aus acht Metern halblinker Position ins kurze Eck traf - Saisontor Nummer 19! Mit der klaren Führung war die Partie natürlich gelaufen. Die Heimelf schaltete einen Gang runter, Chancen zur Resultatsverbesserung ergaben sich in der Folge zunächst für die Moral beweisende Neururer-Elf. Die stand durch Mertesacker (61.) und Stajner (64.) vor dem verdienten Ehrentor, doch das letzte Tor der Partie blieb fast symptomatisch den Hanseaten vorbehalten: Valdez erzielte es halblinks frei vor Enke überlegt mit dem Außenrist ins rechte Eck - und damit seinen ersten Dreierpack in der Liga (81.).

Vollkommen unter Wert geschlagen verließ Hannover das Weserstadion als klarer Verlierer. Die Niedersachsen bestimmten die Partie 35 Minuten nach Belieben, scheiterten aber an Werder-Keeper Wiese und an eigenem Unvermögen. Bremen nutzte seine Chancen konsequent, entschied die Partie mit je zwei Treffern kurz vor und nach der Pause zu seinen Gunsten und machte nach den Ergebnissen der Konkurrenz im Rennen um die Champions-League-Plätze Boden gut.

Die Trainerstimmen:

Trainer Thomas Schaaf (Werder Bremen): "Ich bin sehr froh über dieses Erfolgserlebnis. Wir haben erst in der zweiten Halbzeit ins Spiel gefunden. Daran gemessen war das Ergebnis sehr hoch. In der Anfangsphase haben wir in vielen Dingen die Schwächen der Vergangenheit fortgesetzt, insbesondere die fehlende Ballsicherheit war ein Problem."

Trainer Peter Neururer (Hannover 96): "Besser als in der ersten Halbzeit können wir eigentlich nicht spielen. Es war ein mehr als verrücktes Spiel mit einem erstaunlichen Ergebnis. Nach den schnellen Gegentoren in der zweiten Halbzeit war die Partie entschieden, ein 0:4 kann man gegen Werder nicht aufholen."

(Quelle: kicker sportmagazin, 27.03.06)


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