Hannover 96

Saison 2005/06, 18.Spieltag


Hertha BSC Berlin - Hannover 96 1:1 (0:1)


Hertha BSC Berlin: Fiedler - Schröder, Friedrich, van Burik, Fathi - Kovac - Cairo, Bastürk, Gilberto - Marcelinho - Pantelic / Trainer: Götz

Hannover 96: Enke - Cherundolo, Vinicius, Zuraw, Tarnat - Balitsch, Dabrowski, Lala - Stajner, Hashemian, Brdaric / Trainer: Neururer

Eingewechselt: 6. Boateng für Gilberto, 56. Okoronkwo für Kovac, 56. Neuendorf für Schröder - 46. Yankov für Stajner, 63. Delura für Brdaric, 74. Ricardo Sousa für Hashemian

Tore: 0:1 Dabrowski (12., Linksschuss, Vorarbeit Vinicius), 1:1 van Burik (90+1., Kopfball, Cairo) - Schiedsrichter: Stark (Ergolding) - Zuschauer: 33 740 - Gelbe Karten: Neuendorf - Cherundolo, Tarnat - Gelb-Rote Karte: Lala (45.)


Beim Rückrundenstart musste Berlins Trainer Falko Götz mit dem verletzten Simunic (Achillessehne) auf eine Stütze in der Innenverteidigung verzichten. Friedrich nahm den Platz des Kroaten ein, und der bisher kaum eingesetzte Schröder (sieben Saisoneinsätze) sollte das rechte Glied der Viererabwehrkette bilden. Im Mittelfeld vertraute der Berliner Coach auf Cairo, bei dem es immer noch abzuwarten gilt, ob er den Durchbruch bei Hertha schafft. Hannovers Trainer Peter Neururer bezeichnete die personelle Situation unter der Woche als "katastrophal". Auf Grund einer Grippewelle musste nahezu die halbe Mannschaft mit dem Training aussetzen. Einige Spieler gingen deshalb angeschlagen in die Partie. In der Abwehr fehlte Nationalspieler Mertesacker (Reha), Vinicius sollte diese Lücke füllen.

Bei klirrender Kälte kam die Partie schwerlich in die Gänge. Schon nach sechs Minuten war die Begegnung für Gilberto beendet. Nach einem Zweikampf mit Cherundolo stand der Brasilianer nicht mehr auf und wurde mit der Trage in die Katakomben des Olympiastadions gebracht. Erste Diagnose: Schädelprellung mit Verdacht auf Gehirnerschütterung. Boateng kam dafür in die Partie. Hannover war spritziger und versuchte, mit Flügelspiel Löcher in die Hertha-Hintermannschaft zu reißen. Die erste gute Möglichkeit nutzten die Niedersachen zur Führung: Tarnat trat von der rechten Außenbahn den Ball bei einem Freistoß in den Strafraum, wo Vinicius auf den zweiten Pfosten verlängerte. Dabrowski kam aus spitzem Winkel vor van Burik an das Leder und ließ Fiedler keine Chance (12.). Nach dem Rückstand waren die Gastgeber gefordert. Die Götz-Elf war bemüht, doch im Spiel nach vorne lief nicht viel zusammen. Hertha produzierte leichtfertige Fehlpässe, das Aufrücken nach Balleroberung war zu langsam, Marcelinho fand nicht in die Partie und Mittelstürmer Pantelic hing vollkommen in der Luft. Hannover agierte clever. In der Abwehr hatten die Niedersachsen alles unter Kontrolle, in der Offensive setzten sie gelegentlich gefährliche Angriffe. Eine gute Chance konnte Torschütze Dabrowski nach einer Bradric-Flanke nicht verwerten (20.). Mit zunehmender Spielzeit übernahmen die Hausherren das Spielgeschehen. Für die Berliner war meist vor dem Strafraum Schluss. So plätscherte die Begegnung vor sich hin. Kurz vor der Pause sorgte Lala für einen unrühmlichen Höhepunkt. Zunächst kassierte der Albaner für ein Foulspiel gegen Bastürk den Gelben Karton, nur eine Minute später schlug der 96er den Ball frustriert weg. Schiedsrichter Wolfgang Stark schickte Lala mit der Ampelkarte konsequenterweise vorzeitig vom Platz (45.).

Auch nach dem Seitenwechsel veränderte sich an den Kräfteverhältnissen wenig: Die Götz-Elf gab den Ton an, konnte sich aber gegen die in der Defensive sicher stehenden Niedersachsen nicht durchsetzen. Lediglich ein van Burik-Kopfball, der knapp drüber ging (50.), war als Möglichkeit zu Beginn des zweiten Durchgangs zu verzeichnen. In der 56. Minute stellte BSC-Coach Falko Götz auf Dreier-Abwehrkette um, Neuendorf und Okoronkwo sollten neuen Wind ins bisher laue Offensivspiel bringen. Auch diese Maßnahme brachte keine Veränderung. Die Zuschauer im Olympiastadion sahen eine sich erfolglos aufreibende Heimmannschaft. Die wenigen Gelegenheiten vergaben die Berliner: Nach einer Neuendorf-Flanke klärte Tarnat vor Cairo (73.), dann schoss Friedrich nach Bastürk-Vorarbeit daneben (77.). In der Schlussphase boten die Akteure Einbahnstraßenfußball. Doch trotz einer guten Möglichkeit durch Pantelic, der das Leder in Bedrängnis nicht mehr kontrollieren konnte (83.), schien der Ausgleich verwehrt zu bleiben. In der Nachspielzeit brach der Bann dann doch noch: Bastürk legte auf der linken Seite zu Cairo ab, der an den Fünfmeterraum flankte. Van Burik nickte das Leder unbedrängt zum 1:1-Endstand ein (90+1.).

Hertha biss sich an den dezimierten Niedersachsen fast die Zähne aus. Die Götz-Elf glänzte spielerisch kaum, aber die Berliner fighteten, und van Burik rettete in der Nachspielzeit den Punkt. Hannover agierte zunächst clever, doch mit einer dummen Aktion von Lala brachte sich Hannover selbst ins Hintertreffen. Dafür wurden die 96er am Ende bestraft.

Die Trainerstimmen:

Trainer Falko Götz (Hertha BSC): "Das haben wir uns anders vorgestellt, wir wollten den Gegner unter Druck setzen. Aber unser Spiel war viel zu kompliziert. Immerhin war es ein Punkt für die Moral. Ich bin froh über den Ausgleich. Vom Kampf her kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat nie aufgegeben und ist am Ende belohnt worden."

Trainer Peter Neururer (Hannover 96): "Ich habe Probleme, dieses Ergebnis einzuordnen. Ich bin total zufrieden mit der Einstellung meiner Spieler. Aber wir hatten hier mehr vor. Unsere leidenschaftliche Defensivarbeit war ein Erfolg. Aber wir waren nach vorne hin limitiert in unseren Möglichkeiten. Die Verwarnung, die zum Platzverweis geführt hat, war ein Witz. Das war ein fairer Zweikampf zwischen Lala und Kovac."

(Quelle: kicker sportmagazin, 30.01.06)


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