Hannover 96 |
Saison 2005/06, 11.Spieltag |
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Arminia Bielefeld - Hannover 96 4:1 (1:0) |
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Arminia Bielefeld: Hain - Korzynietz, Westermann, Borges, Schuler - Fink, Kucera - Küntzel, Kobylik - Boakye, Zuma / Trainer: von Heesen
Hannover 96: Enke - Balitsch, Mertesacker, Zuraw, Halfar - Dabrowski, Lala - Yankov - Hahne, Stajner, Hashemian / Trainer: Lienen
Eingewechselt: 63. Vata für Küntzel, 79. Dammeier für Kucera, 87. Pinto für Boakye - 46. Delura für Yankov, 81. Montabell für Hahne
Tore: 1:0 Fink (1., Linksschuss), 2:0 Zuma (53., Linksschuss, Vorarbeit Boakye), 2:1 Mertesacker (55., Kopfball, Stajner), 3:1 Boakye (69., Kopfball, Kobylik), 4:1 Boakye (84., Rechtsschuss, Vata) - Schiedsrichter: Perl (München) - Zuschauer: 24 986 - Gelbe Karten: Schuler - Dabrowski, Lala
Bei Arminia Bielefeld gab es nach dem 2:1-Pokalerfolg gegen Energie Cottbus keine personellen Änderungen.
Hannovers Trainer Ewald Lienen dagegen brachte nach dem 2:1-Sieg im DFB-Pokal in Aachen gleich vier Neue: Stajner, Dabrowski, Yankov und Hahne spielten an Stelle von Weck, Brdaric Muskelfaserriss), Cherundolo und
Vinicius.
Was für ein Start für die Arminia! Fink zog aus 23 Metern ab, Mertesacker gab dem Ball noch eine kleine Richtungsänderung, so dass Enke gegen den Flachschuss keine Chance hatte. 1:0 für Bielefeld, da war noch keine Minute gespielt. Die Niedersachsen waren geschockt, fanden zu keinem geordneten Spielaufbau und hätten bereits nach zehn Minuten mit 0:2 zurückliegen können: Zuma tauchte nach Doppelpass mit Boakye allein vor Enke auf, schoss mit rechts aus halblinker Position flach aufs rechte Eck, der 96-Keeper tauchte aber ab und parierte klasse. Nur Sekunden später schoss Kobylik aus 17 Metern haarscharf am rechten Torwinkel vorbei. Erst nach einer guten Viertelstunde fanden die 96er zu mehr Sicherheit im Spielaufbau, gestalteten die zerfahrene Partie ausgeglichen und kamen zu ihrer ersten Torchance: Hahne tunnelte im Strafraum Schuler und schoss mit rechts aus acht Metern auf den rechten Winkel, doch Hain rettete zur Ecke. Es ging auf beiden Seiten im Spielaufbau nicht viel zusammen. Das Geschehen spielte sich nahezu ausnahmslos im Mittelfeld ab. Bielefeld ging kein Risiko und ließ andererseits Hannover nicht ins Spiel kommen. Die Intensität der Partie war hoch, das Engagement der Teams ebenfalls, nur der Unterhaltungswert für die Zuschauer ließ sehr zu wünschen übrig. Die Arminia konzentrierte sich vornehmlich auf die Sicherung des Vorsprungs - und machte dies vorzüglich. Allerdings klappte im eigenen Spielaufbau auch nicht allzu viel. Ewald Lienen brachte zu Beginn der zweiten Hälfte mit Delura einen frischen Spieler. Die 96er begannen auch mit etwas mehr Elan, rannten sich aber immer wieder in der Arminen-Abwehr fest. Besser machten es die auf Konter lauernden Bielefelder: Nach einem weiten Abschlag von Hain spielte Zuma mit Boakye Doppelpass und schon stand er alleine vor Enke. Der Keeper war zwar noch dran am Schuss von Zuma, der Ball trudelte aber ins Tor (53.). Fast im Gegenzug aber gab es die prompte Hannoveraner Antwort: Stajner brachte einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld nach innen zu Mertesacker, der sich geschickt freilief und aus sechs Metern ins linke Eck einköpfte (55.). Nun war zwar auf beiden Seiten mehr Tempo im Spiel als in vielen Phasen der ersten Hälfte, die Fehlerquote hatte sich aber auch proportional erhöht. So entsprang die nächste gute Möglichkeit naturgemäß auch einer Standardsituation: Korzynietz schoss einen Freistoß aus 30 Metern direkt aufs Tor, der Ball war noch leicht abgefälscht, doch Enke klärte artistisch mit einer Hand. Der eben eingewechselte Vata scheiterte mit dem Nachschuss aus kürzester Distanz an Enke. Und erneut ein ruhender Ball brachte der Arminia dann das 3:1: Kobylik schlug einen Freistoß von der rechten Seite nach innen zum sträflich alleingelassenen Boakye, der aus sieben Metern einköpfte (69.). Mit dem Zwei-Tore-Vorsprung im Rücken agierte Bielefeld sehr souverän, stand hinten geordnet und versuchte vorne, Nadelstiche zu setzen. Elf Minuten vor Spielende musste Kucera mit schmerzverzerrtem Gesicht mit der Trage vom Feld, nachdem er sich bei einer Grätsche das Knie verdreht hatte. Kurze Zeit später gab es aber auch wieder Grund zur Freude auf Seiten der Ostwestfalen: Schneller Konter nach Fehler von Stajner. Boakye spielte nach Doppelpass mit Vata Enke aus und schob aus fünf Metern ins Tor. 4:1 in der 84. Minute. Doch auch diese an sich schöne Szene hatte einen faden Beigeschmack: Boakye musste verletzt vom Feld, für ihn kam Pinto. Hannover hatte in den Schlussminuten nichts mehr entgegenzusetzen und ergab sich in sein Schicksal. Arminia Bielefeld feierte den dritten Punktspielerfolg in Serie. Nachdem die Ostwestfalen in der ersten Minute glücklich in Führung gingen, verdienten sie sich den "Dreier" im Nachhinein mit einem geschlossenen Auftritt, guter Defensivarbeit und toller Chancenverwertung. Hannover fand über die gesamte Spielzeit kein schlüssiges Konzept gegen die Arminen-Abwehr und offenbarte Schwächen in der eigenen Defensive. |
Die Trainerstimmen:
Trainer Thomas von Heesen (Arminia Bielefeld): "Am Anfang war es schwierig, in das Spiel reinzukommen, da wir einige Verletzte hatten – jetzt haben wir schon wieder zwei. Aber die Jungs sind fantastisch, es macht einen Riesen-Spaß. Die Mannschaft belohnt sich selbst durch solche Spiele. Wir werden unser Ziel aber jetzt nicht von heute auf morgen ändern."
Trainer Ewald Lienen (Hannover 96):"Wir hatten uns sehr viel vorgenommen, aber es ist denkbar ungünstig losgegangen als wir bereits in der ersten Minute in Rückstand geraten sind. Wir haben es nicht verstanden, so Fußball zu spielen, wie wir uns das vorgenommen hatten. Wir haben im Mittelfeld zu viele Bälle verloren, und vorne haben uns die Bielefelder zugestellt. Wir hatten nicht die Qualität uns zu befreien.
(Quelle: kicker sportmagazin, 31.10.05)