Hannover 96

Saison 2005/06, 1.Spieltag


Hannover 96 - Hertha BSC Berlin 2:2 (0:0)


Hannover 96: Enke - Balitsch, Mertesacker, Zuraw, Tarnat - Yankov, Lala, Dabrowski - Stajner - Hashemian, Brdaric / Trainer: Lienen

Hertha BSC Berlin: Tremmel - Friedrich, van Burik, Madlung - Schröder, Simunic, Kovac - Marcelinho, Gilberto - Rafael, Wichniarek / Trainer: Götz

Eingewechselt: 76. Neuendorf für Wichniarek, 90. Okoronkwo für Rafael, 90+2. Dardai für Marcelinho

Tore: 0:1 Marcelinho (49., Foulelfmeter, Linksschuss, Vorarbeit Friedrich), 0:2 Wichniarek (54., Linksschuss, Rafael), 1:2 Dabrowski (66., Kopfball, Brdaric), 2:2 Tarnat (87., direkter Freistoß, Linksschuss) - Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg) - Zuschauer: 40 473 - Gelbe Karten: Hashemian, Stajner


96-Coach Ewald Lienen musste gleich zum Saisonstart auf neun Akteure verzichten. Neuzugang Balitsch zog er deshalb in die Abwehrkette zurück. Im Angriff begannen mit Rückkehrer Brdaric und Hashemian zwei Neue, die von Yankov (kam von Slavia Sofia) aus dem Mittelfeld unterstützt werden sollten. Bei Hertha BSC verzichtete Trainer Falko Götz in der Startelf ganz auf Neuzugänge. Auch Mittelfeldspieler Gilberto, der zuletzt muskuläre Probleme hatte, konnte von Beginn an auflaufen. Für den einzig namhaften Neuzugang, Ellery Cairo von Absteiger Freiburg, blieb so zunächst nur ein Platz auf der Bank.

Gleich zu Beginn setzte Hannover die Gäste am eigenen Strafraum unter Druck, konnte aus den folgenden Unsicherheiten der Berliner aber keinen Profit schlagen. Hertha bemühte sich in der Anfangsphase vor allem um Spielkontrolle, ließ den Ball locker durch die eigenen Reihen laufen und nahm so schnell den Schwung aus Hannovers Angriffsaktionen. Die Hauptstädter wagten sich ihrerseits immer mehr in die Offensive, doch mehr als ein Freistoß von Marcelinho, den Enke über das Tor faustete, kam dabei nicht heraus (22.). Fast im Gegenzug prüfte Brdaric Herthas Keeper Tremmel, der nach Fiedlers Verletzung (Kapsel- und Bänderriss im Ellenbogengelenk) zur Nummer eins aufgestiegen ist. Der 26-Jährige hatte mit dem Schuss vom Strafraumeck aber keinerlei Schwierigkeiten (24.). Insgesamt bekamen die 40473 Zuschauer in der AWD-Arena eine sehr durchwachsene Partie mit zahlreichen leichten Ballverlusten zu sehen. Symptomatisch eine Szene in der 33. Minute, als Stajner das Leder zunächst leichtfertig gegen Gilberto vertändelte, der Brasilianer aber das Geschenk anscheinend nicht annehmen mochte und in Überzahl den Pass über wenige Meter nicht zu Marcelinho brachte. In den Schlussminuten der ersten Hälfte löste sich 96 wieder etwas aus der eigenen Hälfte, doch Versuche von Tarnat und Brdaric blieben harmlos, so dass es torlos in die Pause ging.

Der zweite Durchgang begann mit einem Paukenschlag. Kovac bediente Friedrich mit einem weiten Pass. Der Berliner wurde beim Eindringen in den Strafraum von seinem Verfolger Stajner leicht am Trikot gezupft und kam zu Fall. Schiedsrichter Knut Kircher entschied direkt auf Strafstoß, den Marcelinho sicher flach unten links einschoss (49.). Obwohl Enke die Ecke ahnte, blieb der Keeper machtlos. Die Niedersachsen hatten sich von diesem Schock noch nicht richtig erholt, da erhöhte die "Alte Dame" bereits auf 2:0. Rafael zog gleich drei Gegenspieler auf sich und behielt den Überblick. Der Angolaner, erst kürzlich mit der deutschen Staatsbürgerschaft ausgestattet, legte uneigennützig quer auf Sturmpartner Wichniarek, der aus zehn Metern durch die Beine von Enke traf (53.). Nach dem Doppelschlag wurde Hannover zwangsläufig offensiver, was den Gästen jede Menge Raum für eigene Angriffe bot. Marcelinho hätte fast noch erhöht, brachte aber bei einem abgefälschten Schuss, der quer durch den Strafraum flog, nicht mehr den Fuß an den Ball (63.). So wurde es noch einmal spannend, als Stajner auf der rechten Seite Brdaric ins Spiel brachte. Dessen Flanke fand Dabrowski am Elfmeterpunkt völlig frei. Aus dem Lauf heraus köpfte der 27-Jährige zum 1:2 ein (66.). Marcelinho hätte den alten Abstand fast postwendend wieder hergestellt, doch allein auf Enke zulaufend hob der Brasilianer das Leder am rechten Pfosten vorbei (71.). Durch den Anschlusstreffer beflügelt kamen die Hannoveraner gegen Ende der Partie noch einmal auf. Eine Möglichkeit ließ Brdaric (78.) gegen die in dieser Phase unsicher wirkenden Berliner noch ungenutzt, ehe Tarnat in der 87. Minute zu einem Freistoß aus 17 Metern antrat. Mit voller Wucht jagte der Ex-Nationalspieler die Kugel auf direktem Weg oben links in die Maschen. In den letzten Minuten musste Hertha sogar noch um den einen verbliebenen Punkt bangen, ließ aber keinen weiteren Gegentreffer mehr zu.

Nach einer ruhigen ersten Hälfte nahm die Begegnung nach der Pause Fahrt auf. Trotz einer zwischenzeitlichen 2:0-Führung gaben die Berliner in der Schlussphase noch den Sieg aus der Hand. Die 96er verdienten sich mit einer starken kämpferischen Leistung in der Schlussphase den Teilerfolg zum Saisonstart.

Die Trainerstimmen:

Trainer Ewald Lienen (Hannover 96): "Wir können mit dem Unentschieden leben. Wenn man den Spielverlauf sieht und erst kurz vor Schluss den Ausgleich erzielt, muss man zufrieden sein. Ich muss meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen, dass sie noch einmal zurückgekommen ist. Sie hat eine tolle Reaktion gezeigt."

Trainer Falko Götz (Hertha BSC): "Obwohl wir auswärts unentschieden gespielt haben, sind wir aufgrund des Spielverlaufs von dem Ergebnis enttäuscht. Wir haben zu früh aufgehört und vergessen, den Sack zuzumachen. Das Ergebnis ist ärgerlich, es hätte ein sehr guter Saisonstart werden können."

(Quelle: kicker sportmagazin, 08.08.05)


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