Hannover 96

Saison 2001/02, 5.Spieltag


FSV Mainz 05 - Hannover 96 2:2 (1:2)


FSV Mainz 05: Wache - Bodog, Friedrich, Neustädter, Schuler - N. Weiland, Kramny, Schwarz, Hock - Thurk, N'Kufo / Trainer: Klopp

Hannover 96: Sievers - Lala, Diouf, Linke, Schäfer - Stefulj, Simak, Krupnikovic - Stendel, Kaufman, Keita / Trainer: Rangnick

Eingewechselt: 46. D. Weiland für Kramny, 69. Woronin für Hock, 81. Nikolic für N. Weiland - 59. Baschetti für Krupnikovic, 68. Morinas für Kaufman, 87. Bounoua für Keita

Tore: 0:1 Stendel (15.), 1:1 Schuler (24.), 1:2 Stendel (37.), 2:2 Stefulj (60., Eigentor) - Schiedsrichter: Scheppe (Wenden) - Zuschauer: 6 701 - Gelbe Karte: D. Weiland, Friedrich, Schuler, Wache - Baschetti, Krupnikovic


Zwei Treffer – 96 hat jetzt einen Daniel Düsentrieb
Stürmer Stendel beendet Flaute. Hannover bleibt ungeschlagen.

2:2 im flotten Spitzenspiel bei Mainz 05 – 96 bleibt in der zweiten Liga ungeschlagen.  

Ein 96-Profi war schon vor dem Spiel müde. Steve Cherundolo war nach seinem Überseeflug aus Costa Rica gestern früh in Frankfurt/Main gelandet. Vormittags testete der US-Nationalspieler im Training noch einmal seine physische und psychische Verfassung, um dann festzustellen: „Es hat keinen Sinn.“ Trainer Ralf Rangnick musste seine Mannschaft folglich noch einmal umkrempeln. Danijel Stefulj rückte auf Cherundolos Position hinten rechts in die Viererkette. Hinten links war überraschend Oliver Schäfer statt des zuletzt schwachen Christian Mikolajczak am Ball. 96 startete zudem wieder mutig mit drei Spitzen und dem Spielmacher-Duo Krupnikovic/Simak durch. Die Fans hätten sich anschnallen sollen vor dem Spitzenspiel, in der turbulenten Partie wurden sie schon in Hälfte eines oft von den Sitzen gerissen – zuerst bei Chancen von 96: Kaufman (9.) und Simak (10.) verdribbelten sich noch. Stendel aber umkurvte cool den Mainzer Torhüter Dimo Wache und schob zum 0:1 (15.) ein. Nach seinem trefflichen Erfolgserlebnis im Pokal beendete der als Daniel Torlos verspottete Angreifer damit auch in Liga zwei seine neuneinhalb Monate währende Flaute. Dann aber stellte 96 das Offensivspiel ein, was selten gut geht. Und so nahm auch das flott kombinierende Mainz die Einladung zum Toreschießen an. Markus Schuler  trat den Ball aus 25 Metern in die rechte Ecke (24.). Die 96-Abwehr schüttelte es fortan weiter so schwer durch wie einen Flieger in Turbulenzen – vor allem bei hohen Flanken vor das Tor. Die neuformierte Hintermannschaft schien bei der Luftfahrt wiederholt zu schnarchen, auch Jörg Sievers griff nicht entschlossen ein. 96 aber rettete sich fortan mit flottem Konterspiel aus der Notlage. Den schönsten Angriff des Abends über Schäfer, Keita und Kaufman schloss Stendel mit seinem zweiten Tor ab (36.). Er hat, so scheint es, die Leichtigkeit des Stürmer-Seins wiederentdeckt.

In Hälfte zwei ging es stürmisch weiter, es war ein echtes Topspiel. Das hohe Tempo musste Krupnikovic bald nicht mehr mitmachen, er wurde wie gewohnt nach einer Stunde gegen Baschetti ausgewechselt. Kaum war er draußen, fiel der Ausgleich. Der Ex-Hannoveraner Niclas Weiland hatte einen Freistoß vor das 96-Tor befördert, Stefulj rutschte der Ball unglücklich über das Haupthaar ins Netz (61.). Beide Mannschaften erspielten sich fortan noch Chancen. Danijel Stefulj rettete schließlich (82.) nach einem Eckstoß auf der Linie – und 96 damit einen Punkt. 

Die Reaktionen:

96-Trainer Ralf Rangnick: Wenn man zweimal führt, denkt man hinterher: Schade, hier hätte man drei Punkte machen können. Das Spiel war in keiner Phase langweilig, es gab keinen Leerlauf. Bei den Standards hatten wir Größennachteile.

Der Mainzer Trainer Jürgen Klopp: Hannover ist eine extrem starke Mannschaft, die wird auswärts noch häufiger punkten.

Danijel Stefulj: Beim Eigentor ist mir der Ball blöd über den Kopf gerutscht. Es war aber ein gutes Spiel.

Nebojsa Krupnikovic: Wir hatten heute einfach kein Glück.

Jörg Sievers: Wir können mit dem 2:2 leen. Bei dem Tor zum 1:1 kann ich nichts machen.

Carsten Linke: Wir haben unsere Treffer prima herausgespielt. In der zweiten Halbzeit hätten wir mehr nach vorne machen müssen.

Der Ex-96er Niclas Weiland (jetzt Mainz): Wir hatten, abgesehen von der ersten Viertelstunde, alles im Griff. Trotzdem steht Hannover zu Recht da oben in der zweiten Liga.

Die Einzelkritik:

Jörg Sievers: Tauchte beim Ausgleich zum 1:1 zu spät ab – der Schuss aus 25 Metern schien haltbar. Rettete aber auch mehrmals in höchster Not. 

Danijel Stefulj: Sein Radar setzte in der 61. Minute aus – Eigentor. Auch sonst öfter in Not. 

Carsten Linke: Nicht immer sicher. Mit Fehlern, aber auch Schwerarbeiter in der Defensive. 

Dame Diouf: Leistete sich anfangs Fehler beim Spielaufbau. Doch Turm in der Abwehrschlacht der zweiten Hälfte, warf sich in jeden Ball, der aufs 96-Tor flog.

Oliver Schäfer: Eigentlich auf rechts als Alternative für Cherundolo geplant, sollte er gestern links die Kette zusammenhalten. Ex-96-Profi Niclas Weiland kam zu oft an ihm vorbei zum Flanken. Aber: Schäfer steigerte sich. 

Altin Lala: Der aggressivste 96-Spieler, geht voll drauf. Und das geschickt, ohne Foul zu spielen. Der Albaner muss ein noch geheimes Ortungsgerät entwickelt haben, weil er immer richtig steht. Sollte das Patent anmelden. 

Jan Simak: Der 96-Genius mit nicht allzu vielen Geistesblitzen. Hätte das 3:2 erzielen können, vielleicht sogar müssen. 

Nebojsa Krupnikovic: Trainer Rangnick hats geschafft, dass Krupnikovic nicht mehr den Zweikämpfen aus dem Weg geht. Mit Lala Chef im Mittelfeld. Schöne Pässe, er tut dem 96-Spiel gut. 

Daniel Stendel: Na, also. Er kanns doch noch. Zwei Tore ganz cool eingelocht. Wir streichen das torlos aus seinem Beinamen – für uns ist er nun Daniel Düsentrieb, die Torrakete. 

Jiri Kaufman: Da kommt zu wenig vom Tschechen. 

Salif Keita: Öffnete das 96- Spiel, weil er immer die linke Seite besetzte. Aber eben keine Gefahr fürs Mainzer Tor. 

Mirko Baschetti: Kam für Krupnikovic, ging aber auf die rechte hintere Position, nicht gerade eine ideale Position für Baschetti, der wiederholt überlaufen wurde.

 Igoris Morinas: Setzte sich einmal gut durch, schloss die Aktion aber mit einem harmlosen Schüsschen ab. 

Morad Bounoua: Machte nichts mehr falsch

(Quelle: Neue Presse, 08.09.01)


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