Hannover 96

Saison 2000/2001, 31.Spieltag


Hannover 96 - Alemannia Aachen 0:0


Hannover 96: Sievers (3) - Dermech (5) - Amadou (4), Gorges (3)- Rose (4,5), Linke (5), Lala (5), Stefulj (4), Bounoua (5) - Simak (6), Stendel (6) / Trainer: Levy

Alemannia Aachen: Lenz (3) - Spanier (4), Rudan (4), Bashi (4), Rauw (4,5) - Landgraf (5), Bayock (3), Hildmann (5), Caillas (5) - Lämmermann (5), Diane (-) / Trainer: Hach

Eingewechselt: 41. Molata (4,5) für Rose, 73. Kaufmann für Lala, 78. Keita für Stendel - 28. Iddi (5) für Diane, 70. Telle für Caillas, 81. Gülez für Bayock

Tore: Fehlanzeige - Schiedsrichter: Wezel (Tübingen) - Zuschauer: 5 469 - Gelbe Karten: Amadou, Dermech - Lenz, Bashi, Bayock, Caillas, Landgraf, Rauw, Telle

(in Klammern die kicker-Noten)


Der arme Herr Levy - Alles wie gehabt bei 96
Gruselfußball zur Trainer-Premiere. Wenigstens gibts einen Punkt

Es war alles parat für einen standesgemäßen Einstand von Stanislaw Levy: Der Rasen im Niedersachsen-Stadion ordentlich gewalzt, die Werbebanden in Reih und Glied, sogar der Sand in der Weitsprung-Grube zeigte sich akkurat glatt gestrichen. Aber, ach, so recht schien keiner die Premiere würdigen zu wollen. Die Fans ignorierten Levy und riefen erst "Ehrmantraut, Ehrmantraut", später auch "Gerber, Gerber". Sie hingen der Vergangenheit mit dem gefeuerten Coach Horst Ehrmantraut nach und hoffen offenbar auf eine Zukunft mit Gerber.

Die 96-Gegenwart aber heißt Stanislaw Levy. Der brave Trainer, der "Verein und Mannschaft nicht im Stich lassen" wollte, stand ungefähr da, wo Vorgänger Ehrmantraut immer gesessen hatte: rechts neben der Ersatzbank. Seinen Trainingsanzug, den er wie der frühere Chef als Uniform bei Zweitliga-Spielen immer getragen hatte, tauschte Levy gegen schwarze Jeans und schwarze Lederjacke. Das sah schick  aus, weniger schön anzusehen war das, was seine kaum veränderte Mannschaft bot. Mittelfeldspieler Marco Rose und Manndecker Guido Gorges waren für Steven Cherundolo und Oliver Schäfer in die Elf gekommen. Sie gaben sich auch einige Mühe, etwas Schwung in das 96-Spiel zu bekommen, gebracht hat es leider nicht viel. Die wenigen Höhepunkte der ersten Hälfte - wenn man das überhaupt so darf - sind schnell aufgezählt: Lämmermann schoss, Sievers hielt (8.); Simak und Stendel schossen, Aachens Lenz musste nicht halten (17., 18.); Gorges köpfte, nun griff auch Lenz mal zu; schließlich trat Simak auch einen Freistoß drüber (45.).

Leider gab es aber auch viele Tiefpunkte bei 96: Missverständnisse, Fehlpässe, hakendes Kombinationsspiel. "Grausaaam", schrie ein Fan auf der Osttribüne wiederholt. Alles wie gehabt also, nur dass der Gegner es diesmal auch nicht besser machte. Aachens 50 Fans immerhin hatten ihren Spaß, sie fassten sich von hinten an die Schultern und zogen in einer lustigen Polonaise durch die Ränge. 96 fehlte der Rhythmus und ein Taktgeber im offensiven Mittelfeld. Michael Molata, der für den am Oberschenkel verletzten Rose ins Spiel gekommen war, bemühte sich immerhin als Ordnungshüter.  Und nach einer guten Stunde bekam 96 die Partie besser in den Griff. Gorges köpfelte vorbei (69.), der eingewechselte Keita drüber (80.). Das wars. Der Punkt gegen Aachen sollte 96 aber zum Klassenerhalt reichen. 

Die Reaktionen:

96-Trainer Stanislaw Levy: Wir wussten, dass es schwer wird nach der Entlassung von Horst Ehrmantraut. Wir haben Druck gemacht, aber leider ist uns kein Tor gelungen. Wir haben sehr umständlich agiert, haben komplizierte statt einfache Bälle gespielt. Am Ende hat Sievers uns den Punkt gerettet.

Aachens Trainer Eugen Hach: Ich bin absolut stolz auf meine Babys. Diese junge Mannschaft hat einen tollen Kampf abgeliefert. Der Wille stand im Vordergrund. Sensationell, wie wir hier vom Kampf her aufgetreten sind.

Carsten Linke: Wir haben erst mal versucht, hinten sicher zu stehen, das ist uns über weite Strecken gelungen. Wir haben aber zu wenig druckvoll nach vorne gespielt und uns zu wenig Chancen erarbeitet.

Jörg Sievers: Es war jetzt erst mal wichtig, hinten zu null zu spielen nach den vielen Gegentoren in der letzten Zeit. Das Spiel war nicht überragend, aber okay.

Mourat Bounoua: Wir haben heute sicher nicht gut gespielt. Wir haben kaum Chancen gehabt, Aachen hat aber auch gut gestanden. Wir wussten, dass es schwer wird.

Michael Molata: Es war ein absolut verkrampftes Spiel. Wir haben viele Fehler gemacht, hätten aber mit Glück ein Tor schießen können.

Altin Lala: Man durfte jetzt kein großes Spiel von uns erwarten. Wir hätten aber wenigstens mehr kämpfen und gewinnen müssen.

96-Vorstand Uwe Krause: Die Mannschaft hat kämpferisch alles gegeben. Die Unsicherheit hat man aber von der ersten bis zur letzten Minute gespürt.

Die Einzelkritik:

Jörg Sievers: Wie in der Regionalliga. Nein, nicht dass der Torwart-Dino drittklassig ist. Er bekam so wenig Schüsse aufs Tor, wie einst. Was kam, hielt Sievers.

Fahed Dermech: Als der Patient 96 noch als geheilt entlassen galt, war der Libero das blühende Leben. Seit 96 am Tropf hängt, wirkt auch der Libero immer lebloser.

Guido Gorges: Blond kickt gut - zumindest gestern. Der Manndecker hat nachgefärbt, war zeitweise der auffälligste Akteur und hätte um ein Haar ein Tor geköpft.

Moudachirou Amadou: Nur noch Mitläufer, der Manndecker. Das war in der ersten Saisonhälfte anders.

Danijel Stefulj: Das war nicht hui, Herr Stefulj. Aber auch nicht pfui. Also irgendwie durchwachsen.

Carsten Linke: Zu guten 96-Zeiten der Turm in der Schlacht. Jetzt ist aus Linke ein recht wackliger Turm geworden.

Mourad Bounoua: Ist zwar Franzose, spielt aber nicht so.

Marco Rose: Durfte endlich mal von Beginn an die linke Seite beackern. Der Ex-Leipziger zeigte allerlei, ohne freilich richtig aufzublühen. Eine dufte Leistung wars deshalb nicht. Musste sich schon kurz vor der Pause wieder auf die Reservebank pflanzen - Oberschenkelzerrung.

Altin Lala: Wenn der kleine Albaner denn so etwas wie der 96-Motor ist, stottert er jetzt gewaltig. Lala sollte mal auftanken. 

Jan Simak: Kann mit einem Geistesblitz alles entscheiden. Gestern blitzte nichts.

Daniel Stendel: Seit November 2000 torlos. Wühlte zwar wie immer, würde sich aber vermutlich am liebsten eingraben. 

Jiri Kaufman: Kam für Lala. Über ihn haben wir nichts notiert.

Michael Molata: Kam für Rose. Auch einer der Unter-Durchschnittlichen.

Salif Keita: Kam für Stendel und hätte fast das gemacht, was Stendel schon so lange nicht mehr gemacht hat.

(Quelle: Neue Presse, 28.04.01)


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