Hannover 96 | Saison 2000/2001, 17.Spieltag |
SpVgg Greuther Fürth - Hannover 96 2:1 (1:0) |
Greuther Fürth: Teuber (2) -
Sbordone (-), Skarabela (3), Boy (3) - Hassa (4), Ruman (3), Reichel (3), Surmann
(3,5) -
Felgenhauer (3) - Elberfeld (4,5), Hasenhüttl (3,5) / Trainer: Erkenbrecher
Hannover 96: Sievers (3,5) - Amadou (3,5), Dermech (4), Schäfer
(3) - Stefulj (4), Molata (4), Lala (4,5), Cherundolo (5) - Däbritz (5) - Simak
(4,5), Bounoua (5) / Trainer: Ehrmantraut
Eingewechselt: 25. Gorges (3,5) für Sbordone, 46. Rouissi (3) für Felgenhauer, 67. Kioyo für Hasenhüttl - 33. Morinas (5) für Däbritz, 73. Keita für Cherundolo, 89. Ullmann für Stefulj
Tore: 1:0 Surmann (10.), 2:0 Skarabela (65.), 2:1 Molata (81.) - Schiedsrichter: Scheppe (Wenden) - Zuschauer: 4 325 - Gelbe Karten: Boy, Reichel, Skarabela - Amadou, Stefulj, Schäfer
(in Klammern die kicker-Noten)
96 trostlos - So machts keinen Spaß mehr
Molatas Tor kommt zu spät
In Fürth gabs ein trostloses 1:2, Hannover droht vor der
Winterpause noch aus den Aufstiegsrängen zu rutschen.
Neues vom tschechischen Talentschuppen: FK Chmel Blsany, der 96 schon Jan Simak verkauft hat, machte Faxen
und forderte zwei Millionen Mark für Vaclav Drobny (20). Weil 96-Manager Wolfgang Levin aber sofort zurückfaxte,
dass unter diesen Bedingungen kein Interesse an dem Abwehrspieler besteht, meldete
sich der klamme tschechische Erstligist noch einmal: "Sie wollen sich nun so schnell wie möglich ernsthaft mit uns unterhalten", erzählte
Levin. Um sich Drobny leisten zu können, müsste 96 aber einen anderen teuren Profi losschlagen. Holger Ballwanz (33) steht
auf der Streichliste, und der frühere Wolfsburger Erstliga-Profi unterhielt sich vorm Anpfiff sehr angeregt mit
Fürths Trainer Uwe Erkenbrecher - ein erstes Bewerbungsgespräch?
Erkenbrecher übrigens scheint ein Herz für ausgemusterte 96-Profis zu haben: Ayhan Tumani trainiert zurzeit zur Probe
in Fürth und sah seinen früheren Kollegen zu. Beim 0:0 vor einem Jahr hatte er noch im Playmobil-Stadion mitgespielt,
diesmal blieb es immerhin nicht torlos. Was die Zuschauer aber auch kaum tröstete,
denn trotz des frühen Treffers durch Mathias Surmann (10. Minute) wars ein trostloser Fußball-Abend. Das lag zu einem großen Teil auch
an der ängstlichen 96-Taktik: Jan Simak versuchte sich anfangs als Alleinunterhalter im Angriff, was die 200
mitgereisten 96-Fans aber überhaupt nicht amüsierte. Da war etwa diese Szene in der 23. Minute: Simak rannte mit
dem Ball auf die Fürther Abwehr zu. Weil er aber keinen Partner im Angriff fand, machte er kehrt, dribbelte acht Meter
zurück und wieder nach vorne, spielte Nico Däbritz an - und prompt war der Ball weg. 96 spielte einfallslos,
leidenschaftslos, harmlos - und Ehrmantrauts Kontertaktik war nach dem 0:1 sinnlos. So erlöste der 96-Coach Däbritz
von seinem Leiden auf dem Rasen und brachte mit Igoris Morinas einen zweiten Angreifer.
Nach der Pause bemühte sich 96 weiter um Schwung, so richtig in Fahrt kam aber nur Trainer Horst Ehrmantraut an
der Seitenlinie, denn er musste mit ansehen, wie Fürth zielstrebig auf das 2:0 hinarbeitete: Elberfeld und Ruman
(beide 60.) scheiterten nur knapp. Skarabela machte es nach Rouissi-Freistoß besser und
köpfelte ins Tornetz neben Jörg Sievers (65.). Erst dieser Treffer schien alle Blockaden in den Köpfen der
96-Profis zu lösen: Molata traf zum 1:2 (82.), mehr aber war nicht drin. In dieser Verfassung droht 96 am Sonntag in
Nürnberg die nächste Pleite.
Die Reaktionen:
96-Trainer Horst Ehrmantraut: Das war
Schlafwagen-Fußball in den ersten 30 Minuten, völlig konfus. Erst in den letzten 20 Minuten haben wir gezeigt, was
möglich gewesen wäre.
Fürths Trainer Uwe Erkenbrecher: Wir haben 75 Minuten guten Fußball gespielt gegen einen Gegner, der nicht
von Pappe ist.
Danijel Stefulj: Das war eine Katastrophe.
Jörg Sievers: Wir haben erst in den letzten 15 Minuten mitgemacht, das reicht natürlich nicht hier in Fürth.
Fahed Dermech: Wir haben uns in den ersten 30 Minuten vor Angst in die Hosen geschissen. Nach dem 0:1 haben wir
aber versucht, das Spiel umzubiegen.
Die Einzelkritik:
Jörg Sievers: Schuldlos an den Gegentoren. Hielt
ansonsten, was zu halten war.
Fahed Dermech: Kein Eigentor (wie in Gladbach) und keine Vorlage zum Gegentreffer (wie gegen St. Pauli) - der
Libero steigerte sich.
Moudachirou Amadou: Sah früh Gelb nach einem rüden Foul an Hasenhüttl. Stand danach mehrmals kurz vor einem
Platzverweis.
Oliver Schäfer: Hatte Elberfeld im Griff.
Danijel Stefulj: Gegen St. Pauli links, diesmal rechts defensiv im Mittelfeld - aber wieder genauso schwach.
Altin Lala: In der 96-Zentrale mit vielen Fehlern.
Michael Molata: Eine freundliche Formulierung für seine Leistung wäre: unauffällig. Bis er mit einem schönen Tor zum
1:2 auffällig wurde.
Steve Cherundolo: Kommt nach seiner halbjährigen Verletzungspause nicht in Form. Die Flanke zum 0:1 flog von
seiner Verteidigungsseite herein.
Nico Däbritz: Erst in der 33. Minute ausgewechselt - genau 32 Minuten zu spät. Däbritz gelang gar nichts.
Mourad Bounoua: Von den Seiten in die Mitte versetzt. Erst abgetaucht, in der zweiten Halbzeit mit guten Flanken.
Jan Simak: Der einzige 96-Spieler mit Aufstiegsreife. Er hatte aber keinen Kollegen, mit dem er mal einen Doppelpass
spielen oder kombinieren konnte. Versuchte in der Not zu viel allein.
Igoris Morinas: Von Trainer Horst Ehrmantraut vor der Partie hart kritisiert. Rechtfertigte dies Urteil nachträglich
durch seine schwache Leistung.
Salif Keita: Zehn Sekunden nach seiner Einwechslung stand er frei vorm Tor. Getroffen hat er nicht.
Mirko Ullmann: Bewegte nichts mehr.
(Quelle: Neue Presse, 15.12.00)